Die Bedeutung der Bauwirtschaft für den Landkreis Kelheim, bezahlbarer Wohnraum, schnellere Genehmigungen sowie praxisnahe Lösungen für Kommunen und Unternehmen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Praxis trifft Politik zum Thema Bauen“ in Abensberg. Eingeladen hierzu hatten die Kelheimer Landtagsabgeordnete Petra Högl (CSU) gemeinsam mit dem IHK-Gremium im Landkreis Kelheim um den Vorsitzenden Klaus Sperling.
Mit Högls Landtagskollegen Jürgen Baumgärtner, dem Vorsitzenden des Bauausschusses im Bayerischen Landtag und baupolitischen Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, stand den teilnehmenden Unternehmern, Bürgermeistern, Planern und Vertretern der Bauwirtschaft ein kompetenter Ansprechpartner für den direkten Austausch zur Verfügung.Petra Högl betonte zu Beginn die große Bedeutung der Bauwirtschaft für die Region. Die Bau- und Immobilienbranche sei ein zentraler Motor für die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis Kelheim. Gleichzeitig betreffe das Thema Bauen viele Bereiche des täglichen Lebens. Dazu zählten bezahlbarer Wohnraum ebenso wie Infrastrukturprojekte und die Weiterentwicklung der Städte und Gemeinden. Gerade deshalb sei der enge Austausch zwischen Praxis und Politik wichtig, um Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Klaus Sperling unterstrich die starke Rolle der Branche im Landkreis Kelheim. So gehöre der Landkreis laut Studien zu den zuzugsstärksten Regionen Bayerns, gleichzeitig bestehe ein zusätzlicher Bedarf von rund 2.100 Wohnungen. Auch die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen verdeutliche die Bedeutung des Sektors. So sei die Bauwirtschaft inzwischen einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region. Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen seien viele Unternehmen weiterhin leistungsfähig und innovativ aufgestellt. Wichtig sei nun, die richtigen politischen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Investitionen und Projekte wieder leichter umgesetzt werden könnten.
Auch Abensbergs Bürgermeister Bernhard Resch verwies auf die starke Verwurzelung der Bauwirtschaft in der Region. Abensberg sei nicht nur als Kultur- und Bildungsstadt bekannt, sondern zugleich ein bedeutender Standort für Bauunternehmen, Handwerksbetriebe, Ingenieurbüros und Planer.
Jürgen Baumgärtner ging anschließend auf aktuelle baupolitische Maßnahmen des Freistaats Bayern ein. So gebe es im Freistaat Rekordausgaben für den geförderten Wohnungsbau. Mit 2,6 Milliarden Euro im Doppelhaushalt 2026/2027 könne Bayern den Bau von rund 12.000 geförderten Wohnungen unterstützen. Zugleich machte Baumgärtner deutlich, dass der Bedarf an Wohnraum noch wesentlich größer sei und der Staat diese Herausforderung nicht alleine bewältigen könne. Deshalb setze Bayern unter anderem auf die neue Gebäudeklasse E, mit der Bauen künftig einfacher, schneller und nach seinen Worten um bis zu 20 Prozent kostengünstiger werden könne. Vor allem im sozialen Wohnungsbau eröffne dies neue Möglichkeiten, um wirtschaftlicher zu bauen und gleichzeitig mehr Wohnraum zu schaffen. Die dadurch entstehenden Spielräume sollen nach den Worten Baumgärtners künftig auch dazu genutzt werden, neue Finanzierungsprogramme für private Bauherren und die Mittelschicht zu schaffen, die langfristig verlässliche Finanzierungsbedingungen ermöglichen.
Zugleich sprach sich Baumgärtner für bessere steuerliche Rahmenbedingungen auf Bundesebene aus. Insbesondere höhere degressive Abschreibungsmöglichkeiten könnten aus seiner Sicht wichtige Investitionsimpulse setzen. Dabei verwies er auf die erfolgreichen Regelungen in den Jahren nach der Wiedervereinigung, als umfangreiche Investitionen im Wohnungsbau ermöglicht worden seien.
Auch das Thema Bürokratieabbau spielte eine zentrale Rolle. Baumgärtner verwies darauf, dass Bayern bereits zahlreiche Vereinfachungen auf den Weg gebracht habe. Gleichzeitig müsse man bestehende Förderprogramme und Verfahren weiter hinterfragen und vereinfachen. Gerade bei Förderanträgen und Abrechnungen gebe es noch erhebliches Verbesserungspotenzial. Baumgärtner warb deshalb dafür, Prozesse pragmatischer zu gestalten und den bürokratischen Aufwand für alle Beteiligten deutlich zu reduzieren.
In der anschließenden Diskussion brachten zahlreiche Gesprächsteilnehmer ihre Erfahrungen aus der Praxis ein. Dabei wurde deutlich, dass insbesondere schnellere Verfahren, mehr Handlungsspielräume für Kommunen und weniger bürokratische Vorgaben zentrale Anliegen der Branche sind. Auch Themen wie Digitalisierung, modulares Bauen, kommunaler Wohnungsbau sowie praktikablere Vergabeverfahren wurden intensiv diskutiert. Deutlich wurde zudem, dass Innovationen und neue Bauformen sowohl für bezahlbaren Wohnraum als auch für öffentliche Bauprojekte große Chancen bieten.
Jürgen Baumgärtner zeigte sich offen für die zahlreichen Hinweise aus der Praxis und sagte zu, konkrete Anregungen mitzunehmen. Ziel müsse es sein, Regelungen so zu gestalten, dass sie vor Ort auch tatsächlich praktikabel umgesetzt werden können.
